
Bettgeflüster
Wie gut schläft man im Reisemobil? Leise Töne und deutliche Worte zum Thema Schlafkomfort.
Viele Reisemobilfahrer kennen es. Dieses bleierne Gefühl, morgens nur schwer aus den Federn zu kommen. Der Nacken ist verspann, der schmerzende Rücken signalisiert eindringlich den Wunsch nach einer Massage. „Schlecht geschlafen“, murmelt so mancher leise, wenn er sich mühsam aus seinem Bett rollt.
Dass der Start in den Tag so schwerfällt, liegt meist an einer mangelhaften Schlafunterlage.
Stellt sich die Frage: Sind Betten im Reisemobil so schlecht? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, überprüfte REISEMOBIL INTERNATIONAL zusammen mit dem Ergonomie-Experten Detlef Detjen vom AGR, Aktion Gesunder Rücken, fast drei Dutzend Fahrzeuge aus allen Preisklassen. Die Ergebnisse zeichnen ein deutliches Bild, doch vorher ein kurzer Exkurs ins Thema Schlafen.
Etwa ein Drittel der Zeit verbringt der Mensch dringend benötigt, um Geist und Körper zu erholen. Die Wirbelsäule, durch die tägliche Belastung zusammengesunken, streckt sich im Schlaf, Bandscheiben regenerieren und Stoffwechselprozesse sind aktiv. Doch diese Prozesse sind nicht selbstverständlich.
Wer verspannt auf einer unkomfortablen Unterlage nächtigt, wacht mit blockiertem Nacken, geplagt von Kopf- und Rückenschmerzen auf. Tagsüber verderben ihm nicht selten Nervosität und Konzentrationsschwächen die Laune.
Die Folgen gipfeln im erhöhten Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls.
Vor diesem Hintergrund erscheinen die Ergebnisse des Tests von REISEMOBIL INTERNATIONAL recht düster. Denn dem Thema Schlafkomfort messen nur wenige Reisemobil-Hersteller die nötige Bedeutung bei.
Der Blick unter die meiste sehr einfachen Federkern oder Schaumstoff-Matratzen entdeckt dann ebenso schlichte Lattenroste oder Spannplatten.
Auf gezielte Fragen an Verkaufsleiter und Geschäftsführer einiger Fahrzeughersteller erhalten die Redakteure und Detlef Detjen verwunderliche Antworten. „Schlafkomfort ist kein Thema für unsere Kunden“ hören sie ebenso häufig wie unglaubwürdiges Entschuldigen, die die angebliche Zufriedenheit der Kunden unterstreichen. „Unsere Kunden schlafen auf unseren Betten hervorragend.“
Dieser Einschätzung steht das florierende Geschäft der Nachrüster hochwertiger Bettsysteme gegenüber, denen Käufer neuer Fahrzeuge nach der ersten, von Rückenschmerzen begleiteten Urlaubsfahrt die Auftragsbücher füllen.
Und während sich einige Hersteller noch hinter schwachen Argumenten verstecken, haben andere Firmen die Zeichen erkannt. Marco Lange, Geschäftsführer von La Strada Reisemobile, erläutert seine Firmenphilosophie: „Das Gesamtkonzept Qualität darf den Aspekt Schlafen nicht ausgrenzen. Wir finden selbst im beengten Hochdach eine Lösung, um unseren Kunden Froli-Unterfederungen und hochwertige Matratzen anbieten zu können.“
Auch Julian Nocke, Geschäftsführer der 3Dog Camping GmbH, Hersteller von FALTBAREN Zelt-Anhängern, setzt auf Qualität: „Wir informieren unsere Kunden gezielt über die Möglichkeiten, hochwertige Bettsysteme für rund 490 Euro Aufpreis zu erhalten.
Das Angebot nehmen nahezu 75 Prozent unserer Kunden an.“
Detlef Detjen kommentiert diesen hohen Zuspruch so: „Fast 70 Prozent der Deutschen haben gelegentlich oder ständig Rückenschmerzen. Daher reagieren sie auf das Thema ,Gesundes Schlafen’ hochsensibel. Werden Kunden entsprechend beraten, nehmen sie die Angebote dankbar an. Leider scheint dieses Bewusstsein in der Reisemobil-Branche noch nicht angekommen zu sein. Kaum ein Verkäufer kann die einfachsten Fragen beantworten, selbst in Fahrzeugen in der Preisklasse um die 150.000 Euro finden sich vorwiegend Betten, die im Laden kaum 200 Euro kosten würden.“
Wie frappierend sich ein gutes oder schlechtes Bett auf die Schlafqualität auswirken kann, zeigen nachdrücklich die Grafiken auf Seite 77. Und auch fürs Reisemobil finden sich adäquate Lösungen aus perfekt aufeinander abgestimmten Unterfederungen und Matratzen.
Zudem müssen die Komponenten in ihrer Ausführung auf die individuellen Ansprüche und Schlafgewohnheiten der Person abgestimmt sein.
Dabei spielt die Unterfederung im System Bett eine im wahrsten Sinne des Wortes tragende Rolle. Lattenroste sind dabei völlig aus der Mode gekommen, da eine gute Unterfederung stützen soll, aber nicht zu starr sein darf.
Zudem muss sich eine Unterfederung auf jede der nachts ständig wechselnden Schlafpositionen anpassen können.
Das geschieht zwischen 40 und 60 Mal pro Nacht. Federtellersysteme in der Art des Froli- oder Carawinx.Systems bewältigen diese Aufgabe mit Bravour. Aber erst im Zusammenspiel mit einer passenden Matratze entfaltet eine Unterfederung ihre vollständige wohltuende Wirkung.
Fürs Reisemobil empfehlen Schlafexperten hochwertige Kaltschaum-Matratzen. Zum einen kann jede gewünschte Fom problemlos zugeschnitten werden, verschiedene variabel gestaltbare Härtezonen fokussieren unterschiedliche Schlafgewohnheiten. Zum anderen gewährleistet die offene Zellstruktur top Atmungsaktivität. Wo die Vor- und Nachteile verschiedener Matratzentypen liegen, erklärt die Tabelle auf Seite 76 und 77.
Muss allerdings die Sitzgruppe zur Schlafstätte umgebaut werden, steckt der Fahrzeughersteller in der Bredouille.
Er muss Sitz- und Schlafkomfort mit einem Satz Polster realisieren, eine Unterfederung fehlt meist immer. Das Ergebnis sind meiste doppelt so harte Polster, wie es für einen Schlafbereich üblich wäre. Konturen stören, Bezüge sind selten atmungsaktiv –an guten Schlaf ist auf solchen Kompromisslösungen kaum zu denken. Im Zubehör finden sich entsprechende Lösungen, wie etwa das Wendekissen der Caravanausstatter Sippel.
Er verwendet Schichen verschiedener Schaumstoffe unterschiedlicher Härte. Zum Schlafen dreht man die Polster auf die weichere Unterseite. Eine andere Alternative findet sich in dünnen Schaumstoff-Matratzen, etwa von Froli oder BB-Walder. Sie rollt man zum Schlafen auf die Polster auf, um Konturen der Sitze auszugleichen und eine weichere Unterlage zu erhalten. Ein Beispiel, wie ein perfektes Bett im Reisemobil aussehen könnte, finden Sie auf Seite 79. Vor dem Kauf steht aber die kompetente Beratung eines Experten. Er sondiert die Voraussetzungen im Fahrzeug und die individuellen Ansprüche.
Unsinnig wäre es hingegen, sich einzig an Faustregeln zu Härtegraden von Matrtzen zu orientieren. Diese variieren von Hersteller zu Hersteller. Frauen und ältere Menschen benötigen zudem weichere Matratzen, allgemein gilt: Komfort empfinden ist sehr individuell. Daher gil: unbedingt Probe liegen und vom Fachhändler beraten lassen- Spezialisten fürs Reisemobil stehen links im Kasten. Einige bieten sogar eigene Stellplätze und einen Vor-Ort-Service an. Vor einem Besuch klärt ein Telefonat, ob gewünschte Matratze und Stoffe auf Lager sind.
Fazit: Das Thema „Gesundes Schlafen“ ist in der Reisemobil-Branche nur bei wenigen Herstellern angekommen. Sie nehmen sich des Themas an und sichern sich damit eine hohe Kundenzufriedenheit. Andere übergeben die Verantwortung für eine entspannte Nachtruhe direkt an den Kunden. Dieser findet zwar entsprechende Lösungen beim Zubehör-Spezialisten, muss dafür aber noch mal Zeit und Geld investieren.
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